KNA / Caritas Berlin

Armutsspirale im Winter?

Zum wiederholten Male ist die Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow der gastgebende Ort für ein Werkstattgespräch der Berliner Caritas gewesen. Caritasdirektorin Prof. Kostka führte mit Sozialsenatorin Katja Kipping und vielen Menschen aus dem Publikum ein sehr engagiertes Gespräch über die aktuell bedrängende Situation und wie ihr hier in Berlin begegnet werden kann. Die Suppenküche als Ort, an dem täglich Hunderte Menschen gesättigt werden, bot dabei den bestmöglichen Nährboden für ein konstruktives Gespräch auf der Suche nach guten Lösungen für noch gar nicht ganz absehbare Notlagen.

Werkstattgespräch in der Suppenküche: Caritasdirektorin im Erzbistum Berlin, Ulrike Kostka und die Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke). Bilder von Angela Kröll

Sozialsenatorin und Caritas fürchten „Armutsspirale“ im Winter

Die Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) und die Caritas fürchten eine neue „Armutsspirale“ im Winter angesichts stark steigender Energie- und Lebensmittelpreise. Politik und Gesellschaft müssten rasch gegensteuern, forderten sie am Montagabend bei einem Werkstattgespräch in der Suppenküche der Franziskaner zum Thema „Arm in Berlin – was können wir tun?“

Kipping sagte in den Räumen der Franziskaner, sie fürchte einen „langen Winter der Energiearmut“. Dieser werde ohne rasche Hilfe „die treffen, die jetzt schon nichts mehr haben und zusätzlich neue Gruppen“. Politik und Gesellschaft hätten die „Pflicht, entgegenzusteuern“, um die schlimmste Armut zu vermeiden.

Gleichzeitig warnte Kipping vor einem allgemeinen Impuls, den Gürtel enger schnallen und etwa nicht mehr ins Theater oder Restaurant gehen zu wollen. Dies könne zu einem wirtschaftlichen und sozialen „Dominoeffekt“ führen, der „auch etwas mit der Stadt Berlin macht“.

Als Gegenmaßnahme schlug die Linken-Politikerin vor, gemeinsam als Stadtgesellschaft eine Art „Netzwerk der Wärme“ zu stiften, wo man sich austauschen und etwa über Hilfeleistungen informieren könne. Dazu könnten sich Stadtteilzentren, Suppenküchen sowie kulturelle Orte zusammenschließen. Auch die Religionsgemeinschaften sollten mit ins Boot. Erzbischof Heiner Koch und die Franziskaner haben dazu bereits ihre Zustimmung signalisiert. Der Winter könne in Erinnerung bleiben als Zeit, „wo man nicht nur gefroren hat, sondern wo man auch zusammengerückt ist.“

Die Caritasdirektorin im Erzbistum Berlin, Ulrike Kostka, erklärte, Not durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise „ziehe immer weitere Kreise“. Sie sorge sich vor „einer neuen Armutsspirale“. Es sei die Aufgabe von Politik und Kirche, Betroffene zu stärken, bestimmte Sozialleistungen wie etwa Wohngeld auch in Anspruch zu nehmen. „Es gibt hier ein großes Schamgefühl“, so Kostka.

Im Anschluss ergab sich ein reges Gespräch mit den Besuchern der Veranstaltung, von denen einige selbst von existenzieller Armut betroffen sind, und die täglich zum Essen in die Suppenküche der Franziskaner kommen.

>> Weitere Informationen zum Werkstattgespräch auf www.caritas-berlin.de

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